Präpositionalphrasen als Temporaladverbiale

Lokaladverbiale werden gemeinsam mit lokalen Argumenten behandelt.

"auf" (+AKK) / Temporaladverbial zur Angabe des Zeitpunkts

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
auf den anderen Tag ankommen am (= an dem) anderen Tag / den anderen Tag ankommen

poln. na drugi dzień

(nicht geprüft)

Schuchardt 1884: 115 nach Bernd 1820: 376

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Schuchardt (1884: 115) weist das Phänomen als "polno-deutsch" aus, macht jedoch keine weiteren Angaben. Das Beispiel geht, wenngleich es nicht offen zitiert wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Bernd (1820: 376) zurück, der in einem Nachtrag zum Wörterbuchartikel zum Lemma auf, dieses als bei Polen "unrichtig" anstelle von "an, in Bezeichnung der Zeit" ausweist. Als mögliche standardkonforme Alternativen gibt er abgesehen von der oben genannten Version auch "den anderen Tag" (AKK) an.

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

2.1 Plausibilität

keine Einschätzung möglich

2.2 Diachrone Aspekte

keine Einschätzung möglich

2.3 Areale Aspekte

Auf Grund der Beschreibung bei Schuchardt (1884: 115) sowie der Quelle, auf die er sich beruft, liegt nahe, dass es sich um ein Phänomen aus dem polnisch-deutschen Kontaktbereich, ev. auch spezifischer aus dem Bereich des ehem. Großherzogtums Posen handelt.

2.4 Diastratische Aspekte

keine Einschätzung möglich

2.5 Bekannte Studien

keine bekannt

2.6 Nächste Schritte

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"auf" (+AKK) / Temporaladverbial zur Angabe eines Zeitraums

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
auf zwei Tage nach Prag fahren
für zwei Tage nach Prag fahren

tsch. jet na dva dny do Prahy

Zeman 2003: 279, 309;

Newerkla 2007: 40;

Newerkla 2009: 10;
Newerkla 2013: 11

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Zeman (2003: 309) inkludiert das gegenständliche Phänomen in seine Fragebogenuntersuchung (für Details vgl. hier), in der er die Präpositionswahl mit folgendem Satz erhebt:

6. Die Studentin fährt __________ zwei Tage nach Paris.

Während in der älteren Generation der Befragten (61–87 Jahre) noch 20 % die Präposition auf im angegebenen Kontext wählten, taten dies nur noch 13 % der mittleren (31–60 Jahre) und 4 % der jüngeren Generation (18–30 Jahre) in Wien. 13 % der Personen aus Niederösterreich wählten die Variante mit auf. Diese Ergebnisse deuten auf eine vergleichsweise niedrige Frequenz sowie auf eine rückläufige Verwendung hin, sind allerdings vor dem Hintergrund der methodischen Unzulänglichkeiten der Studie kritisch zu validieren.

Newerkla (2007: 40) beschreibt das Phänomen im Kontext des Mikrokontaktareals in Ostösterreich, das durch den intensiven Kontats des Deutschen mit dem Tschechischen (und Slowakischen) geprägt ist. Diastratisch ordnet es Newerkla (2013: 255) gemeinsam mit anderen Phänomenen solcher auf das Mikroareal beschränkten Phänomenen primär der "Wiener Umgangssprache" (Original: "Viennese colloquial variety") zu. Durch die Darstellung in den hier genannten Quellen wird die Verwendung von auf (+AKK) in Temporaladverbien zur Angabe eines Zeitraums daher als konvergente Erscheinung in diesen Sprachen beschrieben. Geber- und Nehmersprache werden nicht definiert oder angedeutet.

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

2.1 Plausibilität

Aktuell ist noch keine Einschätzung der Plausibilität der Kontakterklärung möglich. Dazu müssen zunächst Vermutungen zur diachronen, diaarealen und diastratischen Variation des Phänomens empirisch überprüft sowie mit den Variationsmustern im Tschechischen und Slowakischen kontrastiert werden.

2.2 Diachrone Aspekte

Das Phänomen ist aktuell in Gebrauch. Die Ergebnisse von Zeman (2003: 309; vgl. oben) legen allerdings nahe, dass seine Verwendung rückläufig ist.

2.3 Areale Aspekte

Zu arealen Aspekten ist noch wenig bekannt. In einem ersten Schritt müsste die von Newerkla (2007: 40) vermutete Beschränkung auf den ostösterreichischen Raum empirisch geprüft werden.

2.4 Diastratische Aspekte

Auch zur die vertikale Variation liegen bislang keine Studien vor, wobei der Darstellung in Newerkla (2013: 255) folgenden von davon ausgegangen werden kann, dass es zumindest in den non-standardsprachlichen Varietäten Ostösterreichs auftritt.

2.5 Bekannte Studien

2.6 Nächste Schritte

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"auf" (+AKK) / Temporaladverbial zur Angabe eines Wochentags als zeitliches Ziel

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
in der Nacht auf Sonntag
in der Nacht zum Sonntag

tsch. v noci na neděli

Zeman 2003: 279, 310;

Newerkla 2007: 40;

Newerkla 2009: 10;
Newerkla 2013: 255

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Zeman (2003: 279) führt zusätzlich zur Nennung des Phänomens den folgenden Beleg aus einem Zeitungsartikel an:

[…] führte in der Nacht auf Sonntag zu einem Serienunfall. (07.10.1968)

Außerdem fragt er es mit dem folgenden, stark am Beispiel orientierten Satz in seiner Fragebogenstudie ab (zur Methodik vgl. hier):

In der Nacht __________ Sonntag kam es in Graz zu einem Serienunfall. (Zeman 2003: 357)

Die Ergebnisse (vgl. Zeman 2003: 310) deuten auf eine weite Verbreitung im gesamten ostösterreichischen Raum hin, wobei der Schwerpunkt außerhalb Wiens, in Niederösterreich zu liegen schien, wo 90 % seiner Informantinnen und Informanten die Präposition auf ergänzten. Die nach Generationen aufgegliederten Ergebnisse aus Wien ergeben das Bild eines sich nach und innerhalb Wiens ausbreitenden Phänomens: Während nur 60 % der Befragten der älteren Generation (61–87 Jahre) auf in den Lückentext einsetzten, taten dies in der mittleren (31–60 Jahre) und jüngeren (18–30 Jahre) Generation jeweils 80 %. Alternative Antworten werden bei Zeman (2003: 310). nicht wiedergegeben.

Newerkla (2007: 40) nennt das Phänomen gemeinsam mit einer Reihe anderer (z. B. auf [+AKK] als Temporaladverbial zur Angabe des Zeitraumsauf Urlaub fahren, etc.) im Kontext des Mikro(konvergenz)areals in Ostösterreich, das durch den Kontakt des Deutschen mit dem Tschechischen und Slowakischen geprägt ist. Bei Newerkla (2013: 255) wird es als typisch für non-standardsprachliche Varietäten des Wienerischen bezeichnet.

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

2.1 Plausibilität

Aktuell ist noch keine Einschätzung der Plausibilität der Kontakterklärung möglich. Dazu müssen zunächst Vermutungen zur diachronen, diaarealen und diastratischen Variation des Phänomens empirisch überprüft sowie mit den Variationsmustern im Tschechischen und Slowakischen kontrastiert werden. Zumindest eine areale Erkläung liegt jedoch auf Grund der diatopischen Verteilung im Deutschen nahe. Strukturell liegt der Konstruktion ein direktives Attribut zugrunde, das Ähnlichkeiten mit direktiven Argumenten aufweisen könnte.

2.2 Diachrone Aspekte

Das Phänomen ist aktuell in Gebrauch. Die Ergebnisse von Zeman (2003: 310; vgl. oben) legen nahe, dass es weit verbreitet und eventuell sogar expansiv ist.

2.3 Areale Aspekte

Ebner (2009: 44, s.v. "auf") bezeichnet das gegenständliche Phänomen gemeinsam mit anderenals "österr.[eichisch] (z. T. auch südd.[eutsch], schweiz.[erisch])", wobei nicht klar ersichtlich ist, auf welche der Beispie sich diese diatopische Angabe bezieht. Nähere Hintergründe liefert jedoch die Variantengrammatik (Dürscheid/Elspaß/Zieger 2018: "Nacht"), in deren Zuge auch die Variation des Präposition in einem Attribut zum Substantiv Nacht, mithilfe dessen diese als zwischen zwei (Wochen-)Tagen temporal lokalisiert bestimmt wird, untersucht wurde. In diesem Kontext variieren im deutschen Sprachraum die Präpositionen auf und zu, wobei auf die relativ häufigste Variante in Österreich und der Schweiz darstellt, zu hingegen in der gesamten BRD. Allerdings kommt auf in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg auf immerhin jeweils gut 25 %. Das gegenständliche Phänomen ist daher nicht als Austriazismus, sondern im gesamten südlichen deutschen Sprachraum verbreitet zu klassifizieren.

Ob die aus den Ergebnissen von Zeman (2003: 310, vgl. oben) ableitbare Verteilung im Osten Österreichs (häufiger auf dem Land – seltener in Wien) Korpusdaten standhält, gilt es zu untersuchen.

2.4 Diastratische Aspekte

Die Ergebnisse der Variantengrammatik (Dürscheid/Elspaß/Zieger 2018: "Nacht") belegen, dass das Phänomen im österreichischen geschriebenen Standard – zumindest in der Publizistik – breite Verwendung findet. In welchen regionalen Dialekten es belegbar ist, muss in mit Hilfe weiterer Studien festgestellt werden.

2.5 Bekannte Studien

2.6 Nächste Schritte

  • Überprüfung der vermuteten Variation der DiÖ-Variante mit Fokus auf die diastratische und kleinräumig-diatope Variation innerhalb Österreichs (letztes insbesondere in non-standardsprachlichen Varietäten)
  • Kontrastierung mit dem Tschechischen/Slowakischen
Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"für" (+AKK) / Temporaladverbial zur Angabe eines Zeitraums

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
 für drei Tage leihen
auf drei Tage leihen

slov. za tri dni (nicht geprüft!)

Schuchardt 1884: 116

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Schuchardt (1884: 116) weist das gegebene Beispiel als "sloweno-deutsch" aus. Eine Quelle, auf die er sich (nicht explizit) beziehen könnte, konnte bislang nicht identifiziert werden.

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Abschnitt befindet sich aktuell in Bearbeitung!

2.1 Plausibilität

Zentral für die Untersuchung der Plausiblität ist es, das Verhältnis zur ähnlichen ebenfalls – allerdings nicht von Schuchardt (1884) – als Kontakt- bzw. Arealphänomen ausgewiesenen Verwendung von auf (+AKK) zu beschreiben.

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"nach" (+DAT) / Temporaladverbial zum Ausdruck des Endes einer Veranstaltung/Tätigkeit

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
es war nach der Hochzeit die Hochzeit war aus (ohne PP)

tschech. po svatbě bylo

Schuchardt (1884: 118)

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Schuchardt (1884) listet das Phänomen unter denjenigen, bei jenen "der slawisirenden [sic!] Präposition im richtigen Sprachgebrauch nicht wiederum eine Präposition" entsprich (Schuchardt 1884: 117), sondern in jenen im Deutschen (oder Italienischen) gänzlich andere Konstruktionen zugrunde liegen. Das genannte Beispiel legt er "Tschechen" in den Mund. Eine Quelle, aus der er den Beleg bezogen hat, lässt sich aktuell nicht identifizieren.

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Abschnitt wird aktuell bearbeitet!

2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

Text und Bearbeitung: Agnes Kim