Präpositionalphrasen als direktive Argumente

"auf" (+AKK) als räumliches Ziel (GOAL) von Bewegungsverben

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
(1) auf den Hof des Königs gehen

an den Hof des Königs gehen (lt. Quelle)

zum Hof des Königs gehen

slowen. na kraljev dvor
(nicht geprüft)

Schuchardt 1884: 115
(2) auf die Altstadt gehen
in die Altstadt gehen

tschech. na Staré Město

Schuchardt 1884: 115
(3) i meiss af Apothekn
ich muss in die Apotheke

slowak. do lekárne
(lt. Quelle orthographisch inkorrekt do lekárňe)

Schuchardt 1884: 115
(4) auf den Garten [gehen]
in den Garten

slowen. na vrt
(nicht geprüft)

Schuchardt 1884: 115
(5) auf den Smichov [gehen]
nach Smichov

tschech. na Smíchov

Schuchardt 1884: 115
(6) af Wien [gehen/fahren]
nach Wien

tschech. do Vídně

Schuchardt 1884: 115
(7) gehst auf Tolmein?
gehst du nach Tolmein?

 

Schuchardt 1884: 115
(8) af zu Haus gehen nach Hause gehen / zum Haus (z'Haus) gehen

tschech. domů

Schuchardt 1884: 116
(9) fertu meiss i af nach zu Haus  

 

Schuchardt 1884: 116

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Sämtliche der Belege zu diesem Typus von Kontaktphänomenen sind ausschließlich bei Schuchardt (1884) belegt. Er schreibt es sowohl dem "Tschecho-", "Slowako-" also auch dem "Sloweno-Deutschen" und damit sowohl den west- als auch südslawischen Sprachen, deren Sprachräume direkt an das heutige Österreich grenzen, zu:

Tschechisch und Slowakisch haben vergleichbare lokale Präpositionsrepertoires, jenes des Slowenischen unterscheidet sich jedoch deutlich. Dies muss von möglichen kontrastiv ausgerichteten Studien berücksichtigt werden.

Bei den meisten der Beispiele ist auf Grund ihrer Bezeichnung als "Tschecho-", "Slowako-" oder auch "Sloweno-Deutsch" davon auszugehen, dass es sich um solche aus deutschen Lernervarietäten von Sprecherinnen und Sprechern der entsprechenden slawischen Erstsprachen handelt. Zwei dieser Beispiele, nämlich Beispiele (3) und (9) werden einer bestimmten Stadt, nämlich Modern (slowak. Modra, ungar. Modor) zugeordnet, die sich in der Westslowakei nahe Bratislavas befindet. Neben einer slowakischsprachigen Mehrheit dürften in der Stadt auch eine ungarisch- und deutschsprachige Minderheit gelebt haben. Auf Grund der Bezeichung als "Slowako-Deutsch" kann jedoch angenommen werden, dass das von Schuchardt zitierte Beispiel von einer Person mit Slowakisch als Erstsprache stammt.

Beispiel (7) stammt aus Deutschruth (slowen. [Nemški] Rut), einem Teil der deutschen Sprachinsel Zarz (Sorica) in Slowenien, und ist daher als dialektal, erstsprachlich Deutsch einzustufen. Dazu bemerkt Schuchardt (1884: 115), dass der "altvolksthümliche Gebrauch von auf nicht ausser Berücksichtung zu lassen" sei. Damit verweist er auf ein Phänomen, das auch Pohl (1989: 64) erwähnt, nämlich die (süd-)barische Präferenz, direktionale Argumente als Präpositionalphrasen mit auf (+AKK) auszudrücken, wenn das Ziel eine Stadt oder ein Ort ist (wie in Beispiel [7] Tolmein [slowen. Tolmin]) und daher das Standarddeutsche nach (+AKK) bevorzugen würde. Näheres dazu unter Punkt. 2.3.

Zu den Beispielen (8) und (9), die beide deutsch "nach Hause gehen" entsprechen, merkt Schuchardt (1884: 116) an, dass sie durch Verbindung der in "der deutschen Volkssprache" usuellen Syntagmen mit dem – seiner Analyse nach – in slawischen Lernerregistern zum Ausdruck eines räumlichen Ziels bevorzugten auf handeln könnte. Beiden Beispielen liegt dann die dialektale Konstruktion (10) zu Grunde:

z'Haus gehen (= zum Haus gehen)

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Teil ist aktuell in Arbeit.

2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"auf" (+AKK) als intentionales Ziel (INTT) von Bewegungsverben

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
(1) auf Schwämme gehen in die Schwämme gehen

 

Masařík 1998: 140
(2) auf Holz gehen ins Holz gehen

 

Masařík 1998: 140
(3) auf (ein) Bier gehen zum Bier gehen (lt. Quelle A)

tsch. na pivo (Quelle A)

Schuchardt 1884: 115 (A); Schuchardt 1886: 347 (B); Masařík 1998: 140 (C)
(4) auf Wein gehen  

 

Schuchardt 1886: 347
(5) auf den Flam gehen bummeln

flamendrovati, flámovati, flandati

Schuchardt 1886: 337

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Sämtliche der Belege werden von den sie nennenden Autoren dem tschechisch-deutschen Kontaktraum zugewiesen. Schuchardt (1884: 115) markiert Beleg (3) als "tschecho-deutsch", schreibt den Beleg also einer Person mit tschechischer Erstsprache zu, Er ergänzt jedoch, dass ihm "derlei auch unter den Deutschen verbreitet zu sein [scheint] und da vielleicht von slawischer Einwirkung unabhängig; vgl. auf die Hochzeit gehenauf einen Löffel Suppe einladenauf einen Trunk bei Jemandem sein u. s. w."
(Schuchardt 1884: 115–116; Hervorhebungen A.K.; zu intentionalen Argumenten vgl. hier). In Schuchardt (1886: 347) ergänzt und spezifiziert er, Belege wie (3) und (4) seien "bei den deutsch-böhmischen Bauern ganz gewöhnlich" (Hervorhebungen A.K.). Ob er damit nur die deutschsprachige Landbevölkerung Böhmens oder auch jene Mährens bleibt, kann nicht erschlossen werden.

Beispiel (5) hebt sich von den restlichen dadurch ab, dass es von Schuchardt (1886: 337) nicht im Kontext von Kontaktphänomenen mit Präpositionen, sondern im Kontext von Entlehnungen Erwähnung findet. Er leitetet es von tschech. flámovati, flandati 'bummeln, umherziehen' zum Substativ flamendr, fláma 'Bummler, Randalierer' her.

Masařík (1998) befasst sich aus historischer Perspektive mit dieser deutschsprachigen Landbevölkerung Südmährens. Er verortet die von ihm genannten Belege (1–3) in den "sprachgrenznahen und gemischtsprachigen Gebieten" (Masařík 1998: 140).

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Teil ist aktuell in Arbeit.

2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"auf" (+AKK) mit kontextabhängiger Interpretation als GOAL oder INTT von Bewegungsverben

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
(1) auf's Theater gehen ins Theater gehen

poln. na teatr

Schuchardt 1884: 115
(2) auf die Schule gehen in die Schule gehen (lt. Quelle)
auch: zur Schule gehen

poln. do szkoły

Schuchardt 1884: 115
(3) auf die Messe gehen in die Messe gehen (lt. Quelle)
auch: zur Messe gehen

tschech. na mši

Schuchardt 1884: 115
(5) auf die Predigt gehen in die Predigt gehen (lt. Quelle)
auch: zur Predigt gehen

 

Schuchardt 1884: 115
(6) auf die Leiche gehen zur Leiche/zum Begräbnis gehen

tschech. na pohřeb

Schuchardt 1884: 115
(7) auf Urlaub fahren in den Urlaub fahren

tschech. jet na dovolenou

Zeman 2003: 279;

Newerkla 2007: 40;

Newerkla 2009: 10;

Newerkla 2013: 11

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Alle genannten Beispiele stammen aus dem westslawisch-deutschen Kontaktbereich, wobei Schuchardt (1884: 115) Belege (1) und (2) als "polno-deutsch", Belege (4–6) hingegen als "tschecho-deutsch" einordnet. Sowohl in Bezug auf (1–2) also auch in Bezug auf (6) verweist er jedoch auf vergleichbare Konstruktionen im Deutschen und zwar wie folgt:

[...] wobei deutsch auf eine Schule gehen, auf den Ball gehen u. s. w. nahe genug liegen, [...]
(Schuchardt 1884: 115 in Bezug auf [1–2])

Doch scheint mir derlei auch unter den Deutschen verbreitet zu sein [scheint] und da vielleicht von slawischer Einwirkung unabhängig; vgl. auf die Hochzeit gehenauf einen Löffel Suppe einladenauf einen Trunk bei Jemandem sein u. s. w.
(Schuchardt 1884: 115–116 in Bezug auf [6])

Beispiel (6) konnte in einer der von Schuchardt systematisch verwendeten Quellen gefunden werden, nämlich in Heinrich (1875: 128). Dort merkt der Autor an:

Fehlerhaft sagt man in Böhmen und Mähren: Wir gehen auf die Leiche, statt: zum Begräbnisse.

Beispiel (7) wird erst ab dem Beginn des 21. Jahrhunderts in der Literatur beschrieben. Zeman (2003) nennt es im Kontext einer Liste von "Gemeinsamkeiten [zwischen dem österreichischen Deutsch und dem Tschechischen] im Gebrauch von Präpositionen und der Rektion" (ebd.: 275–279). Nähere Anmerkungen zum Beleg macht er nicht. Newerkla (2009: 10) ordnet es der "deutschen Verkehrs- und Umgangssprache in Wien (und Österreich)" zu bzw. in eine Reihe von Präpositionalfügungen, die ihm zufolge "wohl insbesondere durch areale Verbindungen mit dem Tschechischen bzw. Slowakischen zu erklären" (Hervorhebungen A.K.) sind, ein. Er geht demnach von konvergenten bzw. einander stützenden Entwicklungen in den Kontaktsprachen aus.

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Teil ist aktuell in Arbeit.

2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"auf" (+AKK) als direktives Argument von anderen Verben

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
(1) auf beide Füsse bekam er Fesseln
an beide Füße bekam er Fesseln

tsch. na obě nohy mu dali pouta

Schuchardt 1884: 115 (nach Burian 1839: 260 / Burian 1843: 315)
(2) stelle den Braten auf die Küche
stelle den Braten in die Küche

poln. kuchnia

Schuchardt 1884: 115 (nach w 1884: 29)

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Beide der Beispiele werden ausschließlich bei Schuchardt (1884) genannt, vergleichbare finden sich in anderen wissenschaftlichen Werken zum deutsch-slawischen Sprachkontakt nicht. Allerdings können beide auf von Schuchardt verwendete, teilweise jedoch nicht offen zitierte Quellen zurückverfolgt werden:

Beispiel (1) zitiert Schuchardt (1884) offen aus Burian (1839/1843), einem Tschechischlehrbuch, wobei er die deutsche Version als Übersetzung eines tschechischen Originals ausweist.

Beispiel (2) geht auf den Zeitungsartikel w (1884: 29) zurück. Dort wird das Beispiel folgendermaßen wiedergegeben:

Kind, gehe und stelle den Braten auf die Küche, damit er warm bleibt, bis der Vater zum Abendessen nach Hause kommt.

Schuchardt (1884) weist – den anonymen Autor des Zeitungsartikels aufgreifend – darauf hin, dass "der Polonismus eher im Substantiv" liege, da kuchnia auch 'Kochherd' bedeute. Damit weist er selbst eine Kontakterklärung als unwahrscheinlich aus.

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Teil ist aktuell in Arbeit.

2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

 

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"an" (+AKK) als direktives Argument

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
der Habicht stösst an die Taube

der Habicht stößt auf die Taube (lt. Quelle)

eher: der Habicht stürzt sich auf die Taube

tsch. jestřáb vráží na holuba

Schuchardt 1884: 116

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Diesen Einzelbeleg weist Schuchardt (1884) einerseits als "Tschecho-Deutsch" aus, andererseits gibt er auch dei Quelle an, aus der er ihn bezogen hat, nämlich aus Jungmann (1835–1839: Bd. V, 176) und zwar aus dem Wörterbuchartikel zu wraziti (vrazit). Das oben zitierte Beispiel ist – als Übersetzung der tschechischen Variante, die im Original orthographisch als Gestřáb wrážj na holuba wiedergegeben ist – enthält eigentlich die 3. Person Singular Präsens der imperfektiven Entsprechung des Verbs, nämlich vrážet, wenngleich es unter folgender Verwendungsweise der perfektiven Variante vrazit angeführt ist:

§ WRAZITI = doraziti, udeřiti na něco, neb do něčeho wskočiti, wřepiti se, hineinstürzen, sprengen, einfallen

Die restlichen Beispiele zu dieser Bedeutung stammen tendenziell aus dem militärischen Bereich (z. B. Nepřátelé do země wrazili 'Die Feinde fielen in das Land ein, Tako zluti sie wz Tatari trci, ciesie za niem iako krupobitie wrazi kruto na Kublaienica [aus der sogenannten Königinhofer Handschrift; Übersetzung aus der Ausgabe von Hanka (1829: 134–135)] 'So ergrimmt stürmt er los auf die Tatarn. Nach die Böhmen ihm wie Hagelwetter. Wüthend sprengt er auf den Sohn des Kublay [...]'). Wie die beiden Beispiele zeigen, variieren in ihnen die Präpositionen do 'in' und na 'auf'.

Die deutsche Übersetzung des tschechischen Belegs ist – zumindest aus aktueller Perspektive – nicht nur ob der Präpositionswahl nur eingeschränkt akzeptabel (vgl. die "alternative Variante" oben). Sie stammt jedoch auch nicht direkt aus Jungmann (1835–1839), sondern aus Dobrovský (1802–1821: Bd. 2, 254) als Beleg für die – in seiner Analyse – intransitive Variante (markiert als "v. n." – verbum nominativem) des Verbs stoßen. In dieser wird das gegenständliche Verb als Bewegungsverb mit direktivem Argument verwendet, wobei seine Beispielen PPs mit den folgenden deutschen Präpositionen umfassen (in Klammern werden die von Dobrovský angeführten tschechischen Entsperchungen angeführt, die jedoch teilweise den Status eines reinen Kasus- oder Präpositionalarguments haben): an (~ tschech. na), in (~ tschech. na), in (~ tschech. k / Prep.arg.), an (~ tschech. AKK), an (~ tschech. s / Prep.arg.), vom (~ tschech. od).

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Teil ist aktuell in Arbeit.

2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"in" (+AKK) als direktives Argument

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
(1) wie ich in Prželautsch kam wie ich nach Prželautsch kam

tsch. na Přelouč

Schuchardt 1884: 116
(2) er schmiss ihr den Krug in den Kopf
er schmiss ihr den Krug an den Kopf

tsch. žbán jí na hlavu vrazil

Schuchardt 1884: 116
(3) er schlug ihn mehrmals in den Kopf
 

 

Schuchardt 1886: 347

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Der nicht kanonische Gebrauch der Präposition in (+AKK) in direktiven Argumenten wird ausschließlich von Schuchardt (1884) bzw. Schuchardt (1886) verzeichnet. In Beispiel (1) ist es ein direktives Argument eines Bewegungsverbs, es ist also als als directed-motion construction (Gerichtete-Bewegungskonstruktion) analysierbar. Beispiele (2) und (3) sind hingegen reihenbildend, da beide eine caused-motion construction (Verursachte-Bewegungskonstruktion) darstellen.

In allen drei Fällen ist die Quelle, auf die sich Schuchardt bezieht, rekonstruierbar:

Beispiel 1 entnimmt Schuchardt (1884) dem Singspiel Hanns Klachls Zweyter Theil (Steinsberg 1797b: 85), wobei die entsprechende Replik von einer deutschsprachigen Figur, einem Müller gesprochen wird.

Beispiel 2 stammt aus Jungmann (1835–1839: Bd. V, 176) und zwar aus dem Wörterbuchartikel zu wraziti (vrazit) 'mit Gewalt hieinthun, hineinstoßen, einschlagen, einstecken', genauer als Beleg für das Valenzmuster wraziti něco na něco 'anschlagen'. Im Original lautet das Beispiel in der sogenannten "analogen Orthographie":

žbán gi na hlawu wrazil, er schmieß ihr den Krug in Kopf

Das tschechische Beispiel dürfte ähnlich wie ein weiteres, in der deutschen Übersetzung vergleichbar gebildetes von Jungmann selbst stammen, da er es keiner Quelle zuweist, sondern als "Us[us]" markiert:

Wrazjim ti kámen do hlawy [vrazím ti kámen do hlavy], einen Stein in den Kopf schlagen, an den Kopf werfen
(Jungmann 1835–1839: Bd. V, 176)

Daher ist davon auszugehen, dass die Überstetzung ebenfalls auf Jungmann zurückgeht.

Wie Beispiel 3 zeigt, dürfte es sich bei diesem Muster jedoch nicht um eine Idiosynkrasie Jungmanns handeln. Dieses zitiert Schuchardt (1886) nämlich aus der Anklageschrift in der sogenannten "Königinhofer Affäre".

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Teil ist aktuell in Arbeit.

2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

"zu" (+DAT) als direktives Argument

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
die Ankunft zu ihm erfolgte an demselben Tage die Ankunft bei ihm erfolgte an demselben Tage

poln. wstępowanie oder zajeżdżanie do niego (nicht geprüft)

Schuchardt 1884: 117

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Schuchardt (1884) weist diesen Einzelbeleg als "Polno-Deutsch" aus, was trotz der fehlenden offenen Zitation zulässt, den Beleg auf Bernd (1820: 418) zurückzuführen (dazu vgl. Kim 2020: 119–121) und damit auf eine Quelle, die sich nicht auf einen innerhalb der Habsburgermonarchie gelegenen Kontaktbereich bezieht.

Bernd (1820: 418) wiederum führt den Beleg im Wörterbuchartikel zum Lemma zu an und zwar als "unrichtige" Verwendung anstelle von bei. Die angeführte "slawische Variante" stammt von Schuchardt selbst, nicht von Bernd.

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Abschnitt wird gerade bearbeitet.

2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

Argumente/Angaben zur Spezifikation des Weges (PATH) einer Bewegung

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
(1) durch die Brücke gehen
über die Brücke gehen

poln. przez most

Schuchardt (1884: 116)
(2) ich gehe über die Stadt ich gehe durch die Stadt

 

Schuchardt (1884: 116)

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Bei der ersten Betrachtung der Beispiele fällt ihre Komplementarität ins Auge. Beispiel (1) wird von Schuchardt (1884: 116) als Polonismus geführt und stammt wörtlich aus Bernds (1820: 47) Wörterbuchartikel zur Präposition durch. Beispiel (2) hingegen geht auf w (1884: 29) zurück und wird in diesem Artikel – wie auch von Schuchardt – in Czernowitz (ukrain. Чернівці) verortet. Dort heißt es als Erklärung wörtlich:

Und ähnlich [wie bei dem Beispiel auf die Küche stellen] ist die echt Czernowitzer Redeweise: „Ich gehe über die Stadt,“ was nicht etwa heißen soll: „Ich schreite hoch oben in den Lüften über die Stadt hinweg,“ sondern lediglich: „Ich gehe über den Ringplatz,“ denn in Czernowitz hießt der Ringplatz im Volksmunde „die Stadt“ par excellence.

Diese Ausführungen werden auch von Schuchardt (1884: 116) sinngemäß wiederholt.

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

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2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

Text und Bearbeitung: Agnes Kim

 

Argumente/Angaben zur Spezifikation des Ursprungs (SOURCE) einer Bewegung

1. Beispiele und Belege

1.1 Beispiele und Belege nach Quellen

DiÖ alternative, "standarddeutsche" Variante slawische Variante Quelle
(1) er kommt von Agram her aus Agram kommen

serb. od Zagreba

Schuchardt (1884: 117)
(2) geboren von der Požeganer Gegend her aus der Požeganer Gegend geboren sein

serb. od Požege

Schuchardt (1884: 117)

 

1.2 Anmerkungen aus den Quellen

Beide der Belege zitiert Schuchardt (1884: 117) offen aus Berlić (1854: 145), wo es im Kapitel zu den Präpositionen lautet:

14.) od zeigt eine Trennung oder einen Ursprung an; örtlich: von, von her: dolazi od Zagreba, er kommt ovn Agram her; rodom, od Požege, geboren von der Požeganer Gegend her;

Daher sind die Belege im südslawisch-deutschen Kontaktbereich anzusiedeln.

 

2. Hinweise/Ergebnisse für Untersuchungen

Dieser Abschnitt wird aktuell bearbeitet!

2.1 Plausibilität

 

2.2 Diachrone Aspekte

 

2.3 Areale Aspekte

 

2.4 Diastratische Aspekte

 

2.5 Bekannte Studien

 

2.6 Nächste Schritte

 

 

Text und Bearbeitung: Agnes Kim